Foto

Published on August 26th, 2014 | by Michael Mahlke

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Schönheit und Last von Peter Alexis Albrecht (Hg.)

„Bildnisse vom Alter“ lautet die ergänzende Unterschrift des Titels. Und damit nähern wir uns einem sehr interessanten Buch.

Drei Fotografinnen haben für die cajewitz-stiftung in ihren Seniorenhäusern fotografiert.

Ilona Ripke, Karin Wieckhorst und Irene Zandel.

Wie kann man im Alter mit Würde leben?

Kann dies selbstbestimmt und durchorganisiert funktionieren?

Die Cajewitz-Stiftung will zeigen, daß dies geht und zwar für alle.

So kosten die Wohnungen dort zwischen 600 und 1200 Euro.

Allerdings machen die Fotos deutlich, daß es ohne Geld trotzdem nicht geht, weil man ab einem bestimmten Alter „Wahlleistungen“ braucht, weil die Bewältigung mancher Aufgaben sonst zur Qual werden würde.

Das Buch ist schon deshalb sehr sympathisch, weil es mit Fotos Würde im Alter zeigen will.

Das gelingt und ist völlig entgegengesetzt zu dem, was uns die Politik über längeres Arbeiten medial vermitteln will.

Das zeigt uns jedes Foto in diesem Buch: Aktivität im Alter ja – fremdbestimmte Geldarbeit zum Überleben nein.

Bei den Fotos der „Hochbetagten“ sind allerdings nur Kopfarbeiter mit wahrscheinlich höherem Einkommen. Es wäre interessant zu erfahren, ob dies sich aus der Auswahl der Fotos so ergeben hat oder real auch so ist. Dann würde ich fragen, wer arm ist stirbt früher? Und könnte dann auch nicht mehr fotografiert werden!

Barrierefreies Wohnen ohne die Lebenswelt eines Altenheimes ist das Ziel der Stiftung.

Aber sie sagt auch, daß soziale Sicherheit im Alter dafür unerläßlich ist.

Insofern ist dieses Buch hochpolitisch und so gesehen sind auch die Fotos der drei Fotografinnen hochpolitisch.

Jede Fotografin nähert sich dem Thema anders, alle fotografieren hier ausschließlich monochrom.

Es sind Fotos, die Menschen zeigen. Zu den Fotos gibt es Aussagen der Fotografierten und Erläuterungen.

Man spürt die Aktivität im Alter.

Man sieht die Würde, die sich auf den Fotos zeigt durch die Art, wie die Menschen sich für die Fotos zeigen.

Früher hätte ich geschrieben von Dänemark und Schweden lernen, heißt siegen lernen.

Heute schreibe ich von solchen Projekten lernen heißt siegen lernen.

Ilona Ripke zeigt Menschen im Raum, in ihren Räumen und versucht „die Spiegelungen eines ganzen Lebens abzubilden.“

Karin Wieckhorst hat als Thema Kultur und Lebensweise. Wie leben Menschen mit ihrer Umwelt, wie ist die Dynamik des Zusammenlebens in den Häusern der Stiftung?

Irene Zandel erzählt Fotogeschichten, die Lebenslinien aufzeigen.

Texte treten überall erläuternd zur Seite und ermöglichen so Einordnungen, die sich durch die Fotos allein nicht erschließen.

Denn es gibt in dem Buch eine fotografisch unsichtbare Seite. Es ist der bisherige Lebensweg. Dieser zeigt sich auf den Fotos nicht durch Erinnerungsstücke sondern durch die Erzählungen dazu.

Die Texte sind auch durchaus kritisch. Die Kritik bezieht sich sowohl auf Erfahrungen wie auf die Bauweise mancher Wohnung, so daß die Würde durch das Buch gelebt wird und dadurch wiederum Glaubwürdigkeit vermittelt wird.

Interessanterweise sind alle Fotos monochrom. Kein Foto ist langweilig und die Individualität der Menschen wird so wirklich gut betont.

So ist das Buch ein gelebtes Beispiel dafür, wie stark monochrome Fotos im Zeitalter der Farbfotografie sein können. Sie sind manchmal die bessere Wahl.

Sie strahlen auch Ruhe aus und schaffen ein angenehmes visuelles „Klima“.

Es ist ein großartiges Buch mit guten Botschaften, das soziale Wirklichkeit in Deutschland zeigt und eine Antwort auf die Frage gibt, wie wir selbstbestimmt leben können, auch wenn wir keine Millionäre sind.

Dies führt automatisch zu der Frage, wieso die Politik dann genau das Gegenteil macht?

So ist dieses Buch ein politisches Fotobuch im besten Sinne, das uns visuell Wege zeigt wie wir heute schon ohne Angst im Alter mit Würde leben können.

Und nun?

Das Buch zeigt die Lüge, es wäre alles nicht bezahlbar. Das stimmt nur, wenn die Profitgier regiert. Daher ist es an uns, eine andere Politik von denen zu fordern, die dafür als Politiker hochbezahlt werden. Wenn sie unsere Interessen vertreten, werden sie was für uns tun, wenn sie andere Interessen vertreten, werden sie nichts für uns tun.

Das Buch ist im Nicolai-Verlag erschienen.

 

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About the Author

Der Autor ist studierter Historiker, Sozialwissenschafter und Pädagoge und war u.a. Leiter einer privaten Wirtschaftsschule und Geschäftsführer einer sozialen Organisation. Er coachte viele Jahre Menschen, Schwerpunkte waren Übergänge, Arbeit und Alter, Konfliktbewältigung und neue Medien. Er arbeitet als Dokumentarfotograf und Publizist, früher offline als Autor diverser Bücher, Fachvorträge und Artikel und seit ca. zehn Jahren in den Online-Medien (Texte, Fotos, Multimedia).



One Response to Schönheit und Last von Peter Alexis Albrecht (Hg.)

  1. Dr. Weiss, Clemens says:

    Großartiges Buch! Ausgesprochen wunderbare Schwarz-Weiß-Fotos. Ich hätte nur den Titel etwas anders gestaltet:
    Schönheit & Last des Alterns
    Cl. W.

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