Biographie

Published on Dezember 23rd, 2010 | by Michael Mahlke

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Rudolf Reiser, Ludwig II.

Vor mir liegt ein Geschichtsbuch zu einem der Lieblingsthemen der Deutschen, König Lugwig II. Das Buch ist niveauvoll und gut zu lesen. Und eines der historischen Highlights in dem Buch ist die Antwort auf die Frage: War König Ludwig ein halber Italiener?

Darüber gab es bei den ersten Rezensionen zu diesem Buch schon einige Anmerkungen und Diskussionen. So lohnt sich ein Blick in dieses Buch, weil es neue historische Fakten bringen will und zugleich eine unterhaltsame Übersicht über das Leben und die Welt von König Ludwig II.

Die Frage des halben Italieners ist schon ausführlich von der tz-online.de in einer Rezension dargestellt worden. Es lohnt sich die verlinkte Rezension ebenso zu lesen wie meinen Text hier, weil dort eher regional auf das Buch geblickt wird. Ich habe aber einen anderen Blick auf das Buch und möchte daher auch eine eigene Rezension schreiben, weil es sich lohnt.

Wußten Sie, daß seit 2000 Jahren die Herrscher ihr Horoskop nach dem Zeugungsdatum errechnen lassen und nicht nach dem Geburtsdatum? Man spricht auch von der „Konzeption“ statt dem Zeugungsdatum.

Und wissen Sie, warum ich hier über Astrologie schreibe?

Weil Rudolf Reiser genau damit im ersten Kapitel beginnt: „Damit sind wir in einer sensationellen Konstellation, die bisher ausnahmslos alle Biographen Ludwigs II. nicht bedachten. Wie sämtliche mittelalterliche Herrscher fühlt sich auch Ludwig II. als Monarch von Gottes Gnaden… Danach hängt nach antiker Manier auch Ludwig II. am Zeichen seiner Konzeption, die er sogar ins Zentrum seiner Legitimation stellt. Vom 25. August 1845 neun Monate zurückgerechnet ergibt den 25. November 1844. Sternkreiszeichen Schütze, niemand anderer als der mit Pfeil und Bogen ausgerüstete und schießende Schütze Amor, das Hauptattribut der schönen Venus, die zu den hehren Bewohnern des Olymp zählt!“

Danach schildert Reiser neben vielen anderen spannenden Geschichten die Geschichte von der Reise von Maximilian II., Ludwigs späterem offiziellen „Vater“, in „die berüchtigten Kurhäuser bei Pesth (heute Budapest). Man weiß um die heißen Bäder und Becken dort, willige Backfische tummeln sich im Wasser für Männer mit eindeutigen Absichten. Die Ansteckungsgefahr ist groß, die galante oder venerische Krankheit gefürchtet. Und so infiziert sich der Gast aus München. Der Liebesschmerz des 23jährigen mutiert zur unheilbaren Krankheit. Tripper! Die ungarischen Zeitungen (Nationalmuseum Budapest) berichten darüber.“

So schildert Rudolf Reiser erzählerisch, spannend und mitten aus dem Leben, wie Ludwig II. dann in die Welt gesetzt wurde von einem offiziellen Vater, der nicht sein Vater sein konnte und einer Mutter, deren Erlebnisse abenteuerlich waren. „Ihm liegt die Welt zu Füßen, sein Charisma ist uneerreicht. Ludwig II. baut nicht nur Schlösser, die Millionen Menschen aus aller Welt bestaunen, er legt mit der Gründung der Technischen Hochschule München und spektakulären Berufungen an die Universität seiner Geburtsstadt den Grundstein zu einer Wissenschaftsmetropole. Mit seiner Hilfe gelingt in Bayreuth das größte Festspielereignis der Menschheit. Zur lang ersehnten deutschen Einheit trägt er ohne Blutvergiessen bei, er gründet die ersten Wetterstationen und widersetzt sich vehement den Forderungen der katholischen Kirche, die Schulpflicht abzuschaffen!… Wo viel Licht, da viel Schatten. So hoch der Adler fliegt, so gigantisch schließlich sein Absturz.“

Mit diesen Worten leitet Rudolf Reiser das Buch ein. Und dann folgt auf gut 160 Seiten ein Feuerwerk von Geschichten und Erzählungen. Darin sind mehr als 60 Bilder und Abbildungen eingearbeitet und es gibt sogar noch ein Literaturverzeichnis am Schluß.

Schon wenn man das Buch in der Hand hält ist es ein Genuss. Ein richtig fester Einband, ein angemessen gutes Format und wenn man es aufschlägt Fadenheftung. Ein gut gemachtes Buch eben.

Doch das ist noch nicht alles. Hinzu kommt eine gut lesbare Schrift und ein Inhaltsverzeichns, welches auf einen Blick alle Etappen seines Weges aufzeigt. Ich will das Buch in dieser Rezension nicht nacherzählen. Ich will Lust auf dieses Buch machen. Es ist ein erzählerisch gut geschriebenes Buch mit sehr vielen kleinen und sehr interessanten Artikeln. Wer echt etwas über König Ludwig II. lesen will, für den ist dieses Buch eine gute Wahl – in jeder Hinsicht.

Rudolf Reiser:
Ludwig II., Mensch und Mythos zwischen Genialität und Götterdämmerung.
mit zahlreichen farbigen Abbildungen
ISBN: 3934863809
MZ Buchverlag GmbH
168 Seiten

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About the Author

Der Autor hat vor, während und nach dem Studium als Dozent in der Erwachsenenbildung gearbeitet, u.a. für die Bundeswehr, die Arbeitsagentur und das Gesamtdeutsche Institut. Er war Leiter einer privaten Wirtschaftsschule und Geschäftsführer einer sozialen Organisation und Berater für die Umsetzung von Arbeit und Alter in Arbeitsprozessen. Er organisierte betriebliche Umstrukturierungen, leitete Konferenzen, schrieb Reden und coachte bzw. begleitete viele Jahre Menschen und Gruppen. Schwerpunkte dabei waren Übergänge, Arbeit und Alter, Konfliktbewältigung und neue Medien. Er ist Publizist, Autor diverser Bücher, Fachvorträge und Artikel und seit ca. zehn Jahren in den Online-Medien unterwegs, erst mit Texten und nach Studien über Cartier-Bresson auch mit Fotos und diversen multimedialen Reportagen.



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