Biographie

Published on September 24th, 2011 | by Michael Mahlke

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Ernest Hemingway in Bildern und Dokumenten

Über Ernest Hemingway ist ein schönes und wundervolles Buch in der Edition Olms erschienen. Es gibt Bücher, die sind einfach besser als andere – und dieses Buch gehört dazu. Das Buch wurde von Mariel Hemingway herausgegeben, Boris Vejdovsky schrieb die Texte und Alwin Letzkus übersetzte sie ins Deutsche.

Mariel Hemingway schildert im Vorwort ihre Sicht auf ihren Großvater. Ernest Hemingway war zweifellos prägend. Und ich finde es bemerkenswert, wie spannend das Buch dieses Schriftstellerleben darstellt.

Über einen Titanen der amerikanischen Literatur wie Ernest Hemingway ist schon zu Lebzeiten viel geschrieben worden. Wer ihn nicht kannte, weil er/sie später geboren wurde oder aus anderen Gründen, der findet in diesem Buch eine besondere Herangehensweise, die den Zugang zu dem Menschen und seinen Büchern wunderbar ermöglicht.

Boris Vejdovsky gelingt es, mit leichten Worten die Leser durch das Buch und das Leben von Ernest Hemingway zu führen. Die Geschichten des Buches liefert Ernest Hemingway selbst. Er ging dorthin, wo der Kampf war. Das waren die Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts., das waren die Stierkämpfe in Spanien und das war das wilde Leben in der afrikanischen Savanne.

Wolfgang Koeppen schrieb über Hemingway: „Ich bin Hemingway einmal begegnet. Es war in den schlimmen, den verzweifelten Jahren kurz vor dem Bürgerkrieg, der mehr als nur Spaniens Schicksal entschied. Es war gegen Morgen, im Juni oder Juli, und Paris war fahl um diese Stunden. ..Wir alle waren Flüchtlinge, auch wenn wir vielleicht nach Berlin zurückkehrten. Hemingway schien aus dem Taxi nicht zu steigen, sondern zu fallen. Wir stützten ihn. Wir bewunderten ihn. Er sank auf den Stuhl wie ein Sack. Wir beneideten ihn sehr. Er bestellte Kognak für uns alle, und alsbald schichteten sich die Untertassen zu kleinen schwankenden Türmen. Hemingway war für uns ein Symbol des literarischen Erfolges, des Ruhmes und der Unabhängigkeit.“

Und so finden sich in diesem Buch Blicke auf sehr viele Facetten aus Hemingways Leben. Seine Ehen, seine Kinder, seine Bücher, seine Liebschaften, seine Probleme. Das Buch zeigt einen nicht voyeuristischen sondern freundlichen Blick auf ein Leben, das zum Symbol für die Sehnsüchte vieler Menschen wurde.

Die Texte von Vejdovsky zeigen dabei Licht und Schatten eines Menschen, der zum Symbol für Wünsche anderer wurde und zugleich zutiefst die menschlichen Widersprüche lebte. Das literarische Schaffen war der Kern, zu dem er immer wieder vordrang, der ihm Ruhe und Kreativität ermöglichte und sein Denken dokumentierte. Das Fischen und der Stierkampf war die immerwährende Auseinandersetzung mit Leben und Tod, mit Einsamkeit und Angst – und mit sich selbst.

Das Buch ist aber nicht nur ein Buch über das Leben von Ernest Hemingway, es ist auch ein Buch über Reporter und ihre Fotografie. So finden wir immer wieder Fotos von Robert Capa und von vielen anderen Fotografen. Die Öffentlichkeit war irgendwie immer dabei im Leben von Ernest Hemingway. Und die Fotoreporter machten Fotos, die fast alle Lebenssituationen zeigen, im Krieg, in der Ehe, mit den Kindern, beim Fischen etc.

So ist dieses Buch auch eine Dokumentation der Reportagefotografie am Beispiel eines Schriftstellerlebens. Der großformatige Band ist wunderbar gestaltet. Fast jede Doppelseite vermittelt spezielles Wissen und bietet eine Kombination aufeinander abgestimmter Fotos, von Dokumenten seines Lebens und von informativen Texten. Die Hintergründe seiner Werke werden ebenso dargestellt wie die Situationen davor und danach. Das Design und das Layout des Buches verschmelzen mit den Texten und Fotos und deshalb ist dieses Buch etwas Besonderes.

Das Buch macht Lust auf Hemingway und zeigt einen Lebensversuch, der den Umgang mit der Angst vor dem Leben durch Überwindung der Angst mit Erlebnissen füllt, die das Gefühl vermitteln, gelebt zu haben.

Dieses Buch ist ein Geschenk. Wer es gelesen hat, der erhält Blicke auf sich und auf Hemingway und wer es verschenkt, der gibt etwas nicht Alltägliches aus den Händen, das ein wirkliches Geschenk sein kann.

Mariel Hemingway

ERNEST HEMINGWAY
Sein Leben in Bildern und Dokumenten

Herausgegeben von Mariel Hemingway Mit Textbeiträgen von Boris Vejdovsky Übersetzung aus dem Französischen von Alwin Letzkus. 208 Seiten mit ca. 350 Fotos und Illustrationen. Hardcover im Folio-Format 28 x 33 cm

ISBN10: 3-283-01178-8
ISBN13: 978-3-283-01178-9

www.edition-olms.com

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About the Author

Der Autor hat vor, während und nach dem Studium als Dozent in der Erwachsenenbildung gearbeitet, u.a. für die Bundeswehr, die Arbeitsagentur und das Gesamtdeutsche Institut. Er war Leiter einer privaten Wirtschaftsschule und Geschäftsführer einer sozialen Organisation und Berater für die Umsetzung von Arbeit und Alter in Arbeitsprozessen. Er organisierte betriebliche Umstrukturierungen, leitete Konferenzen, schrieb Reden und coachte bzw. begleitete viele Jahre Menschen und Gruppen. Schwerpunkte dabei waren Übergänge, Arbeit und Alter, Konfliktbewältigung und neue Medien. Er ist Publizist, Autor diverser Bücher, Fachvorträge und Artikel und seit ca. zehn Jahren in den Online-Medien unterwegs, erst mit Texten und nach Studien über Cartier-Bresson auch mit Fotos und diversen multimedialen Reportagen.



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