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Published on Mai 5th, 2019 | by Michael Mahlke

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Auschwitz – Fall of the Modern Age von Tomasz Lewandowski

Die Allianz hat Auschwitz versichert. Deshalb forderte sie, daß im Vernichtungslager ein Feuerlöschbecken gebaut wurde. Dieses Feuerlöschbecken konnte auch als Schwimmbad genutzt werden und ist als Foto nun in dem Buch Auschwitz – Fall Of The Modern Age zu sehen.

Matthias Noell schreibt: „Tomasz Lewandowski wirft einen systematischen, typologischen Blick auf die Architektur und drängt uns so, uns mit der Tatsache zu beschäftigen, dass die funktionale Planung und der Entwurf des Mordens untrennbar mit Fragen der Gestaltung verbunden sind.“

Und dann führen uns die monochromen Fotografien durch Auschwitz. Wir gehen visuell durch das Lager und sehen funktionale Architektur mit Backsteinen. Monochrome Fotos zeigen Strukturen, farbige Fotos zeigen Flächen. Deshalb sehen wir hier auch vorrangig genau die funktionalen Bauten, die für die Vernichtung von Menschen als optimal angesehen wurden.

Es sind keine besonderen Bauten. Erschreckend ist vielleicht die Erkenntnis im Bereich der Architektur, daß staatliche Vernichtung und staatlicher Mord im Namen einer Ideologie hinter ganz normalen Mauern stattfand –   aber vielleicht gehört genau diese Erkenntnis dazu.

Vieles erinnert an die Bauten der Discounter und mich erinnern viele Häuser an Hühnerställe und Schweineställe aus den Jahren der BRD.

Die Planung eines solchen Arbeitslagers an deutschen Schreibtischen erfolgte u.a. bei der Firma Topf & Söhne in Erfurt wie Matthias Noell im Nachwort beschreibt.

Er nennt Auschwitz dann auch „Architektur und Gestaltung der instrumentellen Vernunft“. Das ist ein Hinweis darauf, daß Vernunft ohne Verstand, also Werte, auf die sich Vernunft bezieht, ganz grausam enden kann.

Was soll man über ein gut gemachtes Buch mit guten Fotografien schreiben, wenn das Thema Auschwitz und deutsche Architektur in Arbeitslagern und Vernichtungslagern ist?

Alles an diesem Buch ist gut.

Aber besonders gut ist, daß es den Blick schärft für das Verhältnis von Sein und Bewußtsein im konkreten Leben.

Wir wußten mal folgendes:

„„Man pferche den Angestellten hinter den uniformierten Glasfassaden dann auch noch in die uniformierte Monotonie der Wohnblocks, und man hat einen Zustand geschaffen, der jede Planung für eine demokratische Freiheit illusorisch macht.“

Das sagte Alexander Mitscherlich, der Auschwitz in seiner Lebenszeit miterlebte und dies alles im Zusammenhang sah.

Das Buch von Tomasz Lewandowski bringt dies nun noch einmal ins visuelle Bewußtsein. Vielleicht achtet der Eine oder Andere dann auch mal darauf, was um uns herum architektonisch passiert und wie das Sein und das Soziale im Denken, Fühlen und Handeln zusammenhängen.

Das geht natürlich über Auschwitz hinaus zurück an die Wurzeln.

Denn zur Moderne gehört Auschwitz ebenso wie unsere Möglichkeiten statt Auschwitz Auenwälder und Achtsamkeit bis ins Alter und die Achtung der Menschenwürde zu leben.

Wir haben immer die Alternative und wir können darauf achten, dies zu sehen und zu sein.

Darauf kommt es an.

Das Buch ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen.

Tomasz Lewandowski
Auschwitz – Fall of the Modern Age
Mit Texten von Riccardo Bavaj und Matthias Noell
Bild-Text-Band

dt./engl., 112 S., geb., 260 × 220 mm, s/w-Abb.
ISBN 978-3-96311-131-0

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About the Author

Der Autor hat Jura in Köln und Sozialwissenschaften, Geschichte und Pädagogik in Wuppertal studiert. Er war u.a. Leiter einer privaten Wirtschaftsschule und Geschäftsführer einer sozialen Organisation und ehrenamtlicher Richter. Er coachte viele Jahre Menschen, Schwerpunkte waren Übergänge, Arbeit und Alter, Konfliktbewältigung und neue Medien. Er arbeitete als Dokumentarfotograf und Publizist, offline und online, analog und digital.



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