Andrea Baumgartl – Wir sind hier, wir sind laut: Fridays for Future

Andrea Baumgartl hat auf verschiedenen Demonstrationen von Fridays for Future TeilnehmerInnen und ihre plakativen Aussagen fotografiert. Dadurch entstand ein Buch, das ein Stück öffentlichen Zeitgeist sichtbar macht und dauerhaft dokumentiert.

Man muß das Buch als pars pro toto nehmen, weil es das zeigt, was Frau Baumgartl fotografiert hat. Wer woanders war, sieht aber Ähnliches, jeweils eingebettet in die Verhältnisse vor Ort.

Herr Enno Kaufhold schreibt in dem Buch einen interessanten Artikel, in dem er dieses Buch fotografisch einordnet. Er bezeichnet es als Autorenfotografie und das Buch als „eigenständiges ästhetisches Objekt.“

Er faßt das Buch in der Überschrift als „Appellative Fotokunst“ zusammen. Der nachfolgende Text ist entsprechend interessant.

Für die, denen die Begriffe fremd sind noch ein Hinweis. Die Autorenfotografie ist eine verbale Konstruktion von Klaus Honnef, die heute als Projektfotografie bezeichnet wird. Dabei entwickelt der Fotograf bzw. die Fotografin ein Haltung statt haltungslos zu sein. Das passt natürlich bei diesem Thema.

Damit will ich vom theoretischen Diskurs zum praktischen Nutzen dieses Buches wechseln. In meinen Augen ist es Dokumentarfotografie von Aktionen der Fridays for Future Bewegung bei denen die Autorin dabei war als Akteurin und Fotografin. Sie hat das aufgezeichnet, was sie selbst erlebt und gesehen hat.

Frau Baumgartl hat nicht die Aktionen vor Ort  – wie z.B. hier – aufgezeichnet, sondern Menschen mit Plakaten und ihren Inhalten während der Aktionen. In der Summe oder in der Reihung hintereinander ergibt sich daraus eine Dokumentation von Zeitgeist.

Wenn ich daran denke, daß ich schon 1980 Seminare zum Thema „Global denken vor Ort handeln“ gegeben habe und der Club of Rome ebenso wie viele damalige Medien dieselben Themen aufgegriffen haben, dann sind wir heute nicht weiter sondern die Menschheit hat lediglich festgestellt, daß es so nicht weitergeht, wenn es so weitergeht – aber es geht so weiter.

Denn Geld führt und es ist ja bekannt, daß die Selbstzerstörung der Wachstumsgesellschaft voranschreitet und wir keinerlei Lösungen für unsere sichtbaren Probleme haben. Zwischen Anspruch und Handeln ist ein unauflösbarer Widerspruch.

Aber die Fridays for Future Bewegung macht dies aktuell ebenso sichtbar wie andere Bewegungen in den Jahrzehnten vorher.

Das Problem danach sind dann immer die entmutigenden Widersprüche in der Politik gewesen, die das Gegenteil von dem machen, was vernünftig und richtig ist – siehe Renten, Agenda2010, Gülle und Antibiotika in der Landwirtschaft und vieles mehr.

Hinzu kommt, daß Deutschland eben nicht mächtig ist sondern auf der Welt nur ein Winzling – auch bei der Erzeugung von Abfällen jeder Art.

Das Buch regt also zu eigenem Denken an. Fotografisch gut dokumentiert und auch als Beitrag zur visuellen Geschichte nutzbar, erfüllt dieses Buch für mich alles, um dokumentarisch das Thema zu zeigen.

Das Buch ist im Kerber-Verlag erschienen.

Andrea Baumgartl

ISBN 978-3-7356-0663-1

Sprachen: Deutsch, Englisch
Texte von
Julia Axthelm, Andrea Baumgartl, Enno Kaufhold, Scientists for Future, Greta Thunberg

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